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Titel: Geisterstunde
Genre: Horror
Verlag: Insel Verlag
Seiten: 252
Autor / Herausgeber: Günter Stolzenberger
Preis: 7 Euro
Titelbild: Emile Jean Horace Vernet ‚Ballad of Leonore’
Bewertung:
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Rezension:
Die vorliegende Anthologie mit Gruselgeschichten wurde von Günter Stolzenberger zusammengestellt. Die meisten Geschichten stammen alle aus einer Zeit von 1800 bis 1900 und stammen von den erfolgreichsten Vertretern der Phantastik jener Zeit. Dabei muss natürlich gesagt werden, dass die hier verwendete Schriftsprache die der damaligen Zeit ist. Von daher ist sie für die heutige Jugend äusserst gewöhnungsbedürftig und auch manch vierzigjähriger Leser wird seine Schwierigkeiten mit den Schachtelsätzen haben.
Vierundzwanzig Kurzgeschichten wurden von Günter Stolzenberger ausgwählt für dieses ‚Geisterstunde’-Lesebuch. Da diese alles Neuauflagen sind, spare ich es mir, auf alle einzugehen. Hier folgen ein paar Anmerkungen zu willkürlich ausgewählten Autoren.

Heinrich von Kleist - Das Bettelweib von Locarno
Die Erzählung ‚Das Bettelweib von Locarno’ ist eine jener unverkennbaren Erzählungen, die Anfang 1800 so beliebt waren. Es geht um eine alte Frau, die um Obdach bat und erhielt. Als jedoch der Hausherr wieder zurückkommt und das alte Bettelweib sieht, schickt er es weg. Doch die alte Frau stirbt und bleibt fortan als Geist im Haus zu Gast. Ungebeten natürlich.
Bern Wilhelm Heinrich von Kleist wird am 18.10.1777 in Frankfurt an der Oder geboren. Sein Vater ist preussischer Offizier, der zum zweiten Mal verheiratet war. Elf Jahre später stirbt der Vater und Heinrich wird vom Prediger Samuel Henri Catel vier Jahre lang unterrichtet. Der Einfluss des Predigers wirkte sich stark auf den folgenden Lebensweg des Dichters und Schriftstellers aus. Nach dem Militär studiert er, bricht jedoch das Studium ab und kehrt nach Berlin zurück. Hier erhält er eine Anstellung als Volontär im preussischen Wirtschaftsministerium. Seine kritischen Werke stossen auf Unverständnis und er reist nach Frankreich. Wieder in Preussen arbeitet er ab 1805 im preussischen Finanzministerium. Als sein zweiter Band mit Erzählungen 1811 erscheint, ist dies zugleich seine letzte Veröffentlichung, die er selbst erlebt. Noch im gleichen Jahr wählt er am Kleinen Wannsee gemeinsam mit Henriette Vogel den Freitod.

Gustav Meyrink - Die Pflanzen des Dr. Cinderella
Wer Gustav Meyrink hört, denkt immer zuerst an sein bekanntestes Werk mit dem Golem. Meyrink selbst lässt sich aber nicht auf dieses eine Werk zurückstellen. Er schrieb viel mehr als das oben genannte Buch. So wird die Geschichte um Dr. Cinderella hier vorgestellt. Sie erzählt, wie der Doktor in der Wüste eine Anubis-Statue findet und sich mit ihr mehr auseinandersetzt als mit anderen Dingen vorher. Dabei gerät er in einen sonderbaren Bann, der ihn zu einem Lahmen macht, mit einer entstellten Gesichtshälfte.

Gustav Meyrink schrieb in seinem Leben einige Roman, die in der langen Zeit bis heute, immer wieder grosse Beachtung geschenkt wurden. Während die Mehrzahl der sich mit Literatur beschäftigenden Menschen ihn unter der Phantastik einreihen, bezeichnen die Esoteriker ihn als einen der Ihren. Aus diesem Grund finden sich seine Werke ,Der Golem’, ‚Der weisse Dominikaner’ und ‚Das grüne Gesicht’ im unmittelbaren Umfeld der Esoterik. Seine ausgewählte Erzählung um Doktor Cinderella kann sich dort genau so einreihen, wie bei der Phantastik. Um Meyrink eine esoterische Strömung unterzuschieben, müsste man ihn näher kennen. So bin ich jedoch der Meinung, einen jener Autoren vor mir zu haben, die man ‚klassiche Phantasten’ bezeichnet. Zumindest in der heutigen Zeit.

Marie Luise Kaschnitz - Schiffsgeschichte
Die ‚Schiffsgeschichte’ ist die Erzählung um Viola, Don Miguels Schwester, die er auf ein Schiff begleitete, die aber auf ihrer Reise nie das angestrebte Ziel erreichte.

Geboren als Offizierstochter Marie Luise von Holzing, wächst sie zu Beginn des 20sten Jahrhunderts in Berlin und Potsdam auf. Bis zu ihrem siebzehnten Lebensjahr hat sie mit Literatur nicht viel zu tun. Jetzt lernt sie Dostojewskis ‚Der Idiot’ kennen. Mit dem Buch setzt sich bei ihr etwas in Bewegung, dass man als Öffnen einer Tür in die Literatur bezeichnen könnte. Später beginnt sie in Weimar eine Lehre als Buchhändlerin, was ihr sehr zupass kommt. 1933 kann sie ihren ersten Roman ‚Liebe beginnt’ veröffentlichen. Neben all ihren normalen schriftstellerischen Arbeiten schrieb sie auch einige wenige, die man der Phantastik zurechnen kann. So auch die ‚Schiffsgeschichte’, die zur Phantstik im Allgemeinen und zur Gruselgeschichte im Besonderen gezählt wird.

Infos:

geschrieben von: erik





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