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Titel: Der scharlachrote Turm
Reihe: Im Reich des Feuervogels
Genre: Fantasy
Originaltitel: coeur de phenix
Verlag: Blanvalet
Seiten: 349
Autor / Herausgeber: Mathieu Gaborit
Übersetzt: Michael von Killisch-Horn
Preis: 7,95 Euro
Titelbild: nn
Bewertung:
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Rezension:
Über dem Dorf Sedana erhebt sich der Bergfried aus rotem Stein. Er stand dort bereits, als das kleine Dorf noch nicht bestand und wird wohl noch dort stehen, wenn das Dorf wieder vergangen ist. Von den Dorfbewohnern wird der Turm ehrfurchtsvoll als der Scharlachturm bezeichnet. Aber niemand aus dem Dorf hat je einen Menschen gesehen, der dort sesshaft ist. Daher gehen viele seltsame Geschichten um den Turm und dessen Bewohner um. Lediglich die Alten des Dorfes erzählen hin und wieder von den Bewohnern, seltsamen Besuchern, mystischen Geschöpfen und anderem mehr. Ganz besonders spannend sind die Geschichten, die von seltsamen Geschöpfen erzählen, die als majestätische Feuerwesen den Turm umkreisen.
Die Geschichte handelt von Januel, der im Orden der Phöniken dient. Über seine Kindheit ist nichts bekannt und doch wird er als gleichwertiger Schüler unter all den anderen aufgezogen. Er ist ein sehr begabter Schüler, dessen Weg schon vorgezeichnet scheint. Der Orden der Phöniken betreut die Phönixe. Eine von vielen sagenhaften Wesen, die auf der Welt Well’t beheimatet sind. Während andere Fabelwesen mit einem bestimmten Reich verbunden sind und die dortigen Menschen mit ihrer Magie schützen, sind die Phönixe frei. Der Orden der Phöniken verzichtete bewusst darauf ein Reich zu errichten. Aus diesem Grund sind sie immer wieder das Ziel von Machtkämpfen zwischen verschiedenen Orden des Reiches. Der Orden der Phöniken stellte sich die Aufgabe, einen Phönix ins Leben zu führen und zu betreuen. In jahrelangem Training werden die Novizen unterrichtet und auf ihre grosse Aufgabe vorbereitet. Januels Freund Sildinn erhält die ehrenvolle Aufgabe den kaiserlichen Phönix wiederzuerwecken und an den Hof de Kaisers zu reisen. Januel selbst ist ein wenig enttäuscht, da er doch die grösseren und ausgebildeteren Kräfte für diese Aufgabe besitzt. Sein Lehrmeister nimmt ihn jedoch nach Abreise Sildinns zur Seite. Er soll ebenfalls, allerdings heimlich still und leise, an den Hof gebracht werden und diese Aufgabe übernehmen, Sildinn ist nur eine Ablenkung. Dies erscheint nicht einfach, aber dennoch machbar. Ist es doch nicht die erste Erweckung, die vom Orden der Phöniken durchgeführt wird. Diesmal scheint jedoch eine Katastrophe heranzuziehen. Der Greifenorden ist Januel und seinem Lehrmeister nicht wohlgesonnen. Der Novize wird für das Ritual vorbereitet, doch als er es durchführt. kommt es zum Unglück. Der Kaiser und ein Teil seines Gefolges werden getötet. Der Phönix selbst fährt in Januel während gleichzeitig die Wachen sich auf den vermeintlichen Kaisermörder stürzen. Mit seinen neuen Fähigkeiten, die der Phönix auf ihn übetrug, kann er mit einer Drachenpriesterin und Söldnerin entkommen.
Das Aas - das legendäre Reich der Toten mit seinen seltsamen Lebewesen, plant die Übernahme der Well’t und versucht die Orden und Reiche ins Chaos zu stürzen. Die Erweckung des kaiserlichen Phönix scheint der geeignete Zeitpunkt dafür zu sein. Denn nur das Feuer der Phönixe kann das Aas vernichten. Und wenn der Phönix nicht wiedererweckt wird, kann auch niemand das Aas aufhalten.
Hier beginnt die eigentliche Geschichte um Januel. Es ist eine gefahrvolle und spannende Reise, die den jugendlichen Helden erwartet. Die Ankunft bei Hofe des Greifenkönigs erweist sich dabei nicht weniger gefahrvoll.

Infos:
Endlich mal keine amerikanische Übersetzung. Mit dem französischen Autor Mathieu Gaborit zeigt sich, dass auch unsere europäischen Nachbarn gute Autoren vorweisen können. Wir finden hier zwar die üblichen Versatzstücke, um eine Heldengeschichte zu erzählen, doch werden diese irgendwie frischer und lebhafter erzählt. Der jugendliche Held Januel hat nur den einzigen Nachteil einer unbekannten Vergangenheit. Der gütige Lehrmeister der trotz aller Schwächen zu seinem Zögling hällt die Söldnerin, der rachüchtige Obermotz, die Freunde. All das zusammen macht nichts Neues bei der Fantasy aus. Bei der Erschaffung der Inselwelt Well’t setzt Herr Gaborit auf altbewährtes. Er baut seine Welt um eine Handvoll Fabelwesen auf, die Feales, die die Geschichte und Kultur der dortigen Menschen prägten. Die Sprache ist ein wenig gewöhnungsbedürftig. Entfernung in Kabellängen zu messen scheint aus der Geschichte Frankreichs zu stammen, der flappsige Ton in manchen Bereichen erscheint zu modern. Das mag vielleicht auch am Übersetzer liegen. Da ich der französischen Sprache nicht mächtig bin, kann ich es im Original nicht nachlesen. So nehmen wir einfach an, dass ist so gewollt. Der Autor versteht es gut, abseits der ausgetretenen Fantasy-Pfade zu wandeln, die von den amerikanischen Autoren breit getreten wurden. Er erzählt von Menschen und Tieren und Fabelwesen. Letztere werden weder vermenschlicht, noch zu Tieren herabgewürdigt, sondern stellen eine eigene Rasse dar. Mit seinen verschiedensten Kreaturen, den Prinzip von Gut und Böse (wie in jedem Fantasy-Roman) führt er einige Handlungsstränge folgerichtig bis zu einem Ende, das manchmal sehr bitter ist. Das Buch selbst, als Beginn einer Trilogie?, ist für mich sehr spannend und lesenswert. An dieser Stelle sei erwähnt, dass ich mich freuen würde, auch aus anderen europäischen Ländern Fantasy zu lesen. Vielleicht sollten die Verlage nicht immer über den grossen Teich schielen, wenn man nur kurz über einen Fluss oder Berg gehen muss, um ein anderes Land mit entsprechender Literatur kennenzulernen.


geschrieben von: erik





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